Wenn der Körper mitspricht – Warum Neurodivergenz mehr ist als nur „anders denken”

Chronische Schmerzen, Erschöpfung, Bauchprobleme – viele neurodivergente Menschen kennen diese Symptome. Warum Autismus und ADHS oft mehr als nur „psychische Diagnosen" sind und wie Körper und Nervensystem zusammenhängen.

NEURODIVERGENZKÖRPERLICHE SYMPTOME

Prof. Dr. med. Bettina Baeßler

7/13/20253 min read

Vielleicht kennst du das: Du hast eine Diagnose wie Autismus oder ADHS erhalten – und trotzdem fühlt sich nicht alles erklärt an. Da sind diese anderen Dinge: Die chronische Erschöpfung, die Bauchprobleme, die Migräne, die Schmerzen, die Allergien. Du spürst: In deinem Körper stimmt etwas nicht. Aber niemand scheint das ernst zu nehmen.

In der klassischen Medizin wird oft so getan, als wären das völlig verschiedene Baustellen: Hier die „psychische Störung", da die körperlichen Symptome. Ich sehe das anders. Als Ärztin und neurodivergenter Mensch weiß ich inzwischen (und das war ein sehr langer Lernprozess): Im Körper hängt alles zusammen. Und die Forschung bestätigt das zunehmend.

Kein Zufall: Wenn der Körper mitfühlt

Menschen aus dem Neurodivergenz-Spektrum, also z.B. mit Autismus oder ADHS berichten überdurchschnittlich häufig von körperlichen Symptomen, die lange Zeit übersehen oder abgetan wurden:

🩹 Chronische Schmerzen und Fibromyalgie.
🧠 Migräne und Spannungskopfschmerz.
🔥 Mastzellaktivierung mit Hautausschlägen, Juckreiz, Bauchkrämpfen und Hitzeempfindlichkeit.
🌡️ Probleme mit der Temperaturregulation, Kreislaufprobleme wie POTS.
🦴 Reizdarm, Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
🤸 Hypermobilität oder Ehlers-Danlos-Syndrom.
💤 Massive Schlafstörungen und Fatigue.
🔄 Hormonelle Dysbalancen, Zyklusprobleme.
Und so weiter und so fort.

Viele von uns erleben diese Dinge – oft schon seit der Kindheit. Und doch hören wir viel zu oft: „Das ist psychosomatisch." Oder: „Das passt nicht zur Diagnose." Aber was, wenn doch?

Was war zuerst da?

Wenn du diese Symptome kennst, hast du dich vielleicht auch schon gefragt: Was davon gehört eigentlich zu meinem Neurotyp? Und was kam vielleicht später dazu?

Die Forschung sieht aktuell drei Möglichkeiten – alle sind plausibel:

Neurodivergenz war zuerst da: Du bist von Geburt an anders reguliert. Dein Nervensystem verarbeitet Reize, Stress, Schmerzen, Temperatur anders. Über Jahre wirkt sich das auf dein Immunsystem, deinen Schlaf, deine Hormone und deinen Darm aus.

Alles entwickelte sich parallel: Dein Körper war von Anfang an anders reguliert – genetisch, epigenetisch, vielleicht auch durch frühe Umwelteinflüsse. Autismus, ADHS und körperliche Symptome sind Ausdruck derselben (epi-)genetischen Basis.

Der Körper war der Auslöser: Vielleicht hattest du schon früh Allergien, Unverträglichkeiten, Entzündungen – und dein Nervensystem hat darauf reagiert. Es hat gelernt, anders zu funktionieren. Vielleicht ist Neurodivergenz manchmal die Reaktion eines Gehirns auf einen überreizten Körper.

Alle drei Möglichkeiten sind denkbar. Und sie schließen sich nicht aus.

Neurodivergenz ist systemisch

Ich sehe Autismus und ADHS nicht als „Störungen", sondern als komplexe Konstitutionen. Gehirn, Immunsystem, Nervensystem, Hormonhaushalt und Sinnesverarbeitung greifen ineinander.

Wenn du neurodivergent bist, bedeutet das nicht nur: „Du denkst anders." Es bedeutet auch: Du spürst anders. Du verarbeitest Stress anders. Du brauchst andere Bedingungen, um gesund zu sein.

Was das für dich bedeutet

Wenn du körperliche Beschwerden hast, die nie richtig zugeordnet wurden, dann liegt das vielleicht nicht an dir – sondern an einem System, das Neurodivergenz nicht kennt und nicht als Ganzes sieht.

Ich begleite Menschen wie dich: Neurodivergente Erwachsene, die sich chronisch erschöpft und unverstanden fühlen – und die spüren, dass es einen tieferliegenden Zusammenhang geben muss.

In meiner ärztlichen Arbeit verbinde ich medizinische Diagnostik mit einem Verständnis für das Ganze: Körper, Kopf und Nervensystem. Wir schauen gemeinsam auf deine komplexe medizinische Geschichte, ordnen sie neu und verbinden Puzzleteile, die bisher isoliert betrachtet wurden.

Du bist nicht falsch. Du bist komplex. Und dein Körper erzählt eine Geschichte, die gehört werden will.

Brauchst du ärztliche Unterstützung für deine körperlichen Symptome bei Neurodivergenz?

Falls du dich in diesem Artikel wiedererkannt hast und dir eine ärztliche Einschätzung deiner körperlichen Beschwerden wünschst: Ich bin da.

Als Ärztin für somatische Medizin mit eigener neurodivergenter Perspektive helfe ich dir dabei, die losen Enden deiner medizinischen Geschichte zusammenzuführen. Gemeinsam schauen wir, was deine körperlichen Symptome bedeuten könnten und wie wir dir medizinisch helfen können.

Wichtig: Ich biete medizinische Diagnostik und Beratung - keine Psychotherapie.

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Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit wende dich an eine qualifizierte Ärztin oder einen Arzt.

Über mich: Ich bin Prof. Dr. med. Bettina Baeßler, Ärztin für somatische Medizin bei Neurodivergenz und Radiologin. Als neurodivergente Person kenne ich die körperlichen Herausforderungen aus eigener Erfahrung. In meiner Praxis Innenspur begleite ich Menschen dabei, ihre medizinischen Puzzleteile zusammenzusetzen und körperliche Beschwerden bei Neurodivergenz zu verstehen.